Von oben sieht alles anders aus

Neulich war ich im Bayerischen Wald in einem Hochseilgarten. Nicht, weil ich so gerne auf Bäumen rumklettere, sondern weil meine Kinder dort hin wollten. Ich habe ziemlich Höhenangst und der Gedanke daran, in ca. sechs bis zehn Metern Höhe auf einem Drahtseil zu laufen war nicht angenehm für mich. Trotzdem habe ich mich überwunden. Es gibt eben Momente, da muss man einfach “durch”!

Meine Kinder hatten da weniger Bedenken. Die waren bereits früher in diesem Klettergarten. Nachdem wir unsere Ausrüstung und eine Einweisung in die Sicherheitstechnik erhalten hatten, gings dann zum ersten “Aufstieg”.
In etwa fünf Meter Höhe startete der Parcours. Dank der Sicherung war es auch quasi unmöglich herunterzufallen, da man immer doppelt gesichert war. Was sollte also schiefgehen? Also stieg ich die Leiter zum Plateau hinauf, von wo aus die einzelnen Parcours starteten. Sprosse für Sprosse. “Es kann gar nichts schiefgehen”, dachte ich mir. “Hier sind so viele Familien mit Kindern, was soll hier schon passieren?”, ging es mir durch den Kopf. “Nur nicht nach unten sehen, dann wird’s ganz einfach”, sagte mir mein Verstand. Geschafft! Ich war oben. “Na also, ganz einfach!” Ich stieg von der letzten Sprosse auf das Plateau, drehte mich um und sah nach unten. “NICHT NACH UNTEN SEHEN!!!”, schoss es mir durch den Kopf. Zu spät. Die Knie waren butterweich.

Vorsichtig wechselte ich meine Sicherungsseile und ging auf den ersten Parcours zu. Dieser bestand aus mehreren Einzelstationen. Man musste jeweils von einem Baum zum nächsten auf einem Drahtseil oder wackligen Holzbretter gehen. Je nach Station hatte man andere Hilfsmittel um sich festzuhalten, bzw. Hindernisse zu überwinden. Das bedeute aber auch, dass man alle Stationen durchlaufen mzusste, bevor man sich am Ende wieder in Richtung Boden abseilen konnte.

Der erste Schritt war eine ziemliche Überwindung. Ich war letztes Jahr auf einem Baugerüst und hatte dort bereits auf der ersten Etage ein ungutes Gefühl. Jetzt sowas. Schritt für Schritt wandelte ich über das Seil. Links und rechts waren zwei weitere Seile zum Festhalten. Nach ca. zehn endlosen Metern war ich am nächsten Baum angelangt.

Ganz ehrlich, ich habe eigentlich gar nicht damit gerechnet überhaupt mehr als drei Schritte zu schaffen, ohne abzurutschen. Jetzt war ich doch da. “Na, geht doch!” Ebenso wacklig ging ich weiter. Baum für Baum. Am Ende konnte ich mich abseilen und war glücklich. Nach einer kurzen Pause wagte ich den nächsten Parcours. Es sollten noch weitere Durchgänge an diesem Tag hinzukommen.

Am Ende des Tages war ich wieder um ein paar Erfahrungen reicher. Hier ein paar Erkenntnisse, die ich daraus gezogen habe:

  1. “Um zu können muss man wollen!” Ob man es dann schafft oder nicht, weiß man ohnehin immer erst hinterher!
  2. Alles beginnt mit dem ersten Schritt!
  3. Von unten betrachtet, war mein Ziel das Ende des Parcours zu erreichen. Auf dem Weg durch den Hochseilgarten war mein Ziel, den nächsten Baum, bzw. das nächste Trittbrett zu erreichen. Das Ende des Parcours war mittendrin eher unwichtig. Ich war bei jeden Schritt auf das Hier und Jetzt fokussiert. Dadurch konnte ich mich auf den nächsten Schritt konzentrieren und kam dem Parcoursende wieder ein Stück näher.
  4. Jeder Schritt auf diesem wackligen Untergrund gab mir ein bisschen mehr Sicherheit.

Dieser Tag war für mich das Erste mal, in einem Hochseilgarten. Ich werde es aber sicher in Zukunft wieder mal wagen.

Der erste Schritt war schwer, aber es hat gerade begonnen Spaß zu machen.

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